Wie wurde in den 1950er-Jahren Schule gegeben? Wie hat sich das Dorf seit Beginn des 20. Jahrhunderts baulich entwickelt? Was bedeutete es für einen Fabrikarbeiter, täglich mehrere Stunden zu Fuss zur Arbeit zu gehen? Diesen Fragen geht Satz & Sätze für die Gemeinde Aarwangen nach. Rechtzeitig zum 800-Jahr-Jubiläum wird 2012 eine Festschrift erscheinen, welche die Lebens- und Arbeitswelt der Menschen in der Oberaargauer Gemeinde während der vergangenen hundert Jahre beleuchtet. Satz & Sätze stützt sich dabei auf Interviews mit langjährigen Einwohnern der Gemeinde.
1914 nahm in Birr das Schweizerische Pestalozziheim Neuhof seinen Betrieb auf. Hervorgegangen war es aus dem von Johann Heinrich Pestalozzi gegründeten Armenhaus für Kinder. In einer zum 100-Jahr-Jubiläum 2014 erscheinenden Festschrift zeichnet Satz & Sätze die Entwicklung der Institution von der «Landwirtschaftlich-gewerblichen Kolonie zur Erziehung und Berufslehre» bis zum modernen Berufsbildungsheim für 40 Jugendliche nach. Im Jubiläumsjahr wird ferner auf dem Gelände des Neuhofs eine von uns konzipierte und kuratierte Ausstellung über das Heim und dessen Geschichte eröffnet.
2011 feierte die BASWAacoustic AG in Baldegg ihr 20-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass entstand eine kleine Schrift über die Geschichte des Unternehmens.
Begonnen hat die Geschichte der BASWA mit der Suche nach neuen Baustoffen. In steter Entwicklungsarbeit ist daraus ein Akustiksystem hervorgegangen, das zur Schallabsorption in verschiedensten Gebäuden zum Einsatz kommt. Die Jubiläumsschrift zeichnet den Weg von der Idee zum erfolgreichen Produkt nach und stellt dabei die Mitarbeiter in den Vordergrund.
Thomas Brodbeck et al., 20 Jahre BASWA, 2011
Satz & Sätze dokumentiert für das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) dessen bauliche Tätigkeit in Form von kurzen Berichten. Die Beiträge erscheinen auf Französisch in der Reihe «Documentation sur le bâtiment», die Architekturzeitschrift «Hochparterre» verfasst entsprechende Beiträge in deutscher Sprache.
Die Veröffentlichungen sind Teil des Schlussberichts über unterschiedliche, von der Schweizerischen Eidgenossenschaft durchgeführte Projekte wie Neubauten, Umbauten, Renovationen oder Umnutzungen. Als Grundlage zur Erarbeitung der Beiträge dienen Informationen der Architekten und weiterer an den Projekten beteiligter Baufachleute sowie in der Regel eine Begehung des Gebäudes. Die durch Fotos und Baupläne ergänzten Texte erscheinen als beidseitig bedrucktes Faltblatt im Format A3.
Die ersten von Satz & Sätze verfassten Dokumentationen beschreiben die Restaurierung des Schweizerischen Nationalgestüts in Avenches (VD) sowie die Erweiterung des Bundesamts für Statistik in Neuenburg, der Schweizer Botschaft in Algier und des Generalkonsulats in Montréal.
Die Interessengemeinschaft Worber Geschichte setzte sich Ende 2009 das Ziel, eine kommentierte Auswahl der über 2000 Bilder, die für die 2005 publizierte “Worber Geschichte” gesammelt worden waren, allen Interessierten Online zur Verfügung zu stellen. Dazu wurden die Bilder zuerst nach vorab definierten Kriterien selektioniert und danach auch kommentiert. Ferner wurde für die Benutzer dieser Bilddatenbank eine Webseite konzipiert, die dank verschiedener Abfragefelder eine Recherche unter den vorhandenen Bildern erlaubt, als auch die Bilder und die dazugehörigen Kommentare darstellt.
Seit Anfang 2011 sind nun fast 600 Bilder Online kommentiert zur Ansicht und zum Download verfügbar. Es handelt sich um digitale Reproduktionen von historischen Gemälden, Zeichnungen, Plänen sowie Fotografien und Postkarten als auch um zeitgenössische Fotografien historischer Objekte. Zu sehen sind Ortsansichten, Gebäudeansichten sowie Zeugnisse des kulturellen Erbes wie archäologische Funde oder das geschichtsträchtige Interieur der reformierten Kirche. Die Bilder geben auch Impressionen aus dem früheren Worber Alltag wieder: Arbeiter und Angestellte in Gewerbe und Industrie, Bauern auf dem Feld und auf dem Hof, Worberinnen und Worber bei sportlichen und kulturellen Tätigkeiten.
Brodbeck, Thomas: Worb mit andern Augen sehen – die neue Bilddatenbank der IG Worber Geschichte im Netz, Worber Post 9/2010
Das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL) baut ein neues Labor für die landwirtschaftliche Forschungsanstalt Agroscope ACW in Changins (VD). Die Generalunternehmung Karl Steiner hat den Architekturwettbewerb mit einem Projekt der Architekten Devanthéry et Lamunière, dl-a designlab-architecture, gewonnen. Satz & Sätze berichtet in einem regelmässig erscheinenden Informationsbulletin über das Fortschreiten des Projekts. Das Bulletin richtet sich an alle Angestellten der ACW Changins, an die lokale Bevölkerung und an externe Projektmitarbeiter. Die Beiträge kündigen die anstehenden Bauetappen sowie die damit verbundenen Auflagen an und stellen die ersten abgeschlossenen Arbeiten vor. Die grafische Gestaltung des Informationsbulletins besorgt das Bieler Büro GFF Integrative Kommunikation.
Satz & Sätze wurde vom Verein Agenda 21 Wohlen eingeladen, im Rahmen der Mitgliederversammlung ein Referat zum Thema Strukturentwicklung und Schulstandorte in der Gemeinde Wohlen bei Bern zu halten. Der Vortrag basierte hauptsächlich auf den Erkenntnissen, die bei der Erarbeitung der Ortsgeschichte «Wohlen bei Bern im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Gemeinde zwischen Stadt und Land» gewonnen wurden.
Die politische Organisation der Gemeinde sowie der Zustand des Strassen- und Wegnetzes waren oft ausschlaggebend für die Wahl eines Schulstandorts. Umgekehrt beeinflusste die Schule die Gemeindeorganisation und die Entwicklung der Infrastruktur. Die untragbar gewordenen Verhältnisse in den Schulen - zuviele Kinder pro Klasse, kein Geld für zusätzliche Lehrer - gaben den Anstoss zur Abschaffung der zahlreichen Weg-, Schul- und Feuerspritzengemeinden und die Übergabe von deren Aufgaben an die zentralisierte Einheitsgemeinde. Diese war wiederum Voraussetzung für den Bau neuer Brücken und Strassen für den motorisierten Verkehr.
Die Foto zeigt die dritte und vierte Primarklasse Uettligen mit 73 Kindern im Jahr 1906 (Fotoarchiv Wohlen).
T. Brodbeck, A. Schüpbach, Strukturentwicklung und die Bedeutung der Schulstandorte in der Gemeinde Wohlen, 28.4.2011
Strukturentwicklung und die Bedeutung der Schulstandorte in der Gemeinde Wohlen, 28.4.2011
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Die Buchreihe «Berner Zeiten» bietet eine reich illustrierte, für eine breite Öffentlichkeit gestaltete Gesamtschau zur Geschichte und Kultur des Kantons Bern. Fachleute der verschiedenen historischen Disziplinen zeichnen in zahlreichen Beiträgen ein farbiges und lebensnahes Bild der bernischen Vergangenheit.
Nach den Bänden zum 13. und 14. Jahrhundert, zum 15. Jahrhundert, zum 16. und 17. Jahrhundert und zum 18. Jahrhundert ist am 12. Mai 2011 der Band «Berns moderne Zeit. Das 19. und 20. Jahrhundert neu entdeckt» erschienen.
Die von Satz & Sätze konzipierte Ausstellung in der Universitätsbibliothek Bern greift drei Themenbereiche aus dem neuesten Band der Buchreihe «Berner Zeiten» heraus. Für jeden Bereich ist ein Exponat bestimmt worden, das für verschiedene Entwicklungen aus der behandelten Zeit steht.
Berns moderne Zeit. Das 19. und 20. Jahrhundert neu entdeckt, hg. von P. Martig et al., 2011
Ende 2006 ist die in zweieinhalbjähriger Arbeit entstandene Ortsgeschichte über Wohlen bei Bern erschienen. Reich bebildert sowie anschaulich und verständlich geschrieben wird auf über 200 Seiten die Geschichte der Gemeinde und ihrer Bewohner im 19. und 20. Jahrhundert dargestellt. Die Ortsgeschichte basiert auf lokalen und regionalen Quellen aus verschiedenen Archiven und auf einer ausgedehnten Literaturrecherche. Vergangenes und Vergessenes aus dem Leben der “einfachen” Wohlener wird in grossen Zügen, aber auch mit Tiefenbohrungen im harten historischen Gestein wieder lebendig: Geschildert werden unter anderem der Wohlener Alltag in den Weltkriegen, der Bau des Wasserkraftwerks Mühleberg vor fast 100 Jahren, die religiöse Praxis in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die politischen Turbulenzen in neuester Zeit oder der Aufschwung des Biolandbaus im 20. Jahrhundert.
Elektrifizierung und Kraftwerk Mühleberg: „Grosse Zeiten fordern grosse Opfer“
Widerspruch gegen den Bau gab es in der entscheidenden Projekt- und Genehmigungsphase im Jahr 1917 wenig, die meisten Betroffenen schienen damals nicht daran gedacht zu haben, im Gegenteil: Gemeinderat und Einwohnergemeinde Wohlen nutzten entschlossen die Gelegenheit, um BKW und Kanton ein Brücken- und Strassenbauprogramm abzuringen, welches weit umfangreicher war als ursprünglich von den BKW geplant. Dies war der politische Preis für die Einwilligung in einen Bau, der das Antlitz Wohlens entscheidend verändern sollte. Auch die Privaten vertrauten offenbar darauf, ausreichend entschädigt zu werden. Zudem versprach das Werk auch neue Arbeitsplätze und neue Steuererträge für die Gemeinde – und schon kurz nach der ersten Aufstauung zog der Wohlensee erste alternative Nutzer an (siehe Abbildungen). Nicht zu vergessen ist ferner auch die Bedeutung des Werks für die Elektrifizierung der Region, deren Sinn auch in der Gemeinde nicht infrage gestellt wurde.
Dies war die praktische Seite. In Rudolf von Tavels Rechtfertigung des Baus werden zwei weitere, über die Interessen des Einzelnen hinausreichende Motive angeführt: Einerseits wird die vermeintlich gottlose technisierte Moderne als Erfüllung von Gottes Willen gedeutet und andererseits die „grosse Zeit“, die „grosse Opfer“ erfordere, beschworen. Dieses zweite, weltliche Motiv findet sich auch in den Akten von BKW, Gemeinden und Landeignern. Das Erbringen von Opfern für das allgemeine Wohl war oberste Pflicht, Einzelinteressen waren dem „Ganzen“ unterzuordnen. Und damit war das nationale Interesse, das Landesinteresse, gemeint; das Wachstumsprogramm der Elektrizitätswirtschaft war gekoppelt mit solchen politisch-ideologischen Inhalten. Dies half mit, ein für die Betroffenen auch mit Verlust, Umsiedelung und persönlichen Tragödien verbundenes Projekt widerspruchslos umzusetzen – keiner wollte als Saboteur der Landesinteressen dastehen.
Diese Rechtfertigungsformel erhielt aber Risse, als die Folgen des Baus für die Betroffenen konkret sichtbar wurden, etwa als die Landwirte ihr Land und ihre Ernte im Wasser versinken sahen. Die BKW verkannten vermutlich den Symbolgehalt solcher Vorfälle – oder es war ihnen schlichtweg gleichgültig – und verstärkten dadurch, wie auch durch die zuweilen unzimperliche Durchsetzung ihrer Interessen, deren negative Wahrnehmung in der betroffenen Bevölkerung noch. Dies stellte die Elektrifizierung und das Werk an sich nicht infrage, allerdings begannen bäuerliche Kreise die Rede vom Opfer-Erbringen, vom übergeordneten Interesse des „Ganzen“, kritischer zu beurteilen, indem sie z. B. auf eine für sie angemessene finanzielle Anerkennung der von ihnen erbrachten „Opfer“ pochten. In die gleiche Richtung wies das Unterfangen, das Bauerntum und dessen Werte, die Verbundenheit zur „Scholle“ und zur „Heimat“, das Selbstverständnis als „Hüter des Staatsgedankens“, dem „Ganzen“ zumindest gleichwertig gegenüberzustellen oder sie gar darüber zu stellen.
Brodbeck, Thomas; Schüpbach, Andrea: Wohlen bei Bern im 19. und 20. Jahrhundert. Eine Gemeinde zwischen Stadt und Land, Bern 2006.
Le but de cette étude n’était pas de faire une monographie chronologique de l’institution, mais de se concentrer sur le bâtiment actuel, en se posant la question centrale : comment poursuivre l’exploitation d’une bibliothèque, avec toutes les conditions matérielles liées à ce type d’institution, et l’adapter aux nouvelles technologies dans un bâtiment construit 70 ans auparavant ?
L’approche historique – notamment la place de la Bibliothèque nationale dans l’évolution typologique des bibliothèques – s’est faite en regard du devenir de l’institution : quelles sont les particularités du bâtiment qui en font un témoin essentiel de cette évolution ? En quoi était-il important de maintenir la BN dans ses locaux actuels ? Accessoirement : comment les transformations renouvellent-elles le modèle de bibliothèque en définissant un nouveau mode d’utilisation mixte entre zones publiques et réservées ?
Le bâtiment de Hallwylstrasse 15 a été commandé par la Confédération (Direction des constructions fédérales / Office fédéral de la culture) pour accueillir dès 1931 la BN et les bureaux de plusieurs offices et services fédéraux.
Le mandat fut confié après un concours en 1927 à un consortium d’architectes formé de Oeschger père et fils, Kaufmann et Hostettler, auteurs des trois premiers projets classés.
Classé et protégé par les services des monuments historiques, ce bâtiment construit sous la direction de Oeschger est un témoignage de première importance de l’architecture moderne à Berne et en Suisse. Oeuvre-pionnière dans l’architecture des bibliothèques, la BN se distingue par une conception fonctionnelle axée sur l’accessibilité, la facilité et la rapidité de circulation, ainsi que l’orientation vers le public ; destiné à plusieurs services fédéraux, le bâtiment propose de claires différenciations et articulation de ses espaces en fonction de l’élément partagé de la « tour des livres », et sa conception est largement axée sur une utilisation maximale de la lumière naturelle.
Avec les hôpitaux et l’Université construits par les architectes Salvisberg et Brechbühl, et avant de nombreuses autres réalisations inspirées des principes du Neues Bauen, la BN représente à Berne – et au plan suisse dans le contexte des constructions de la Confédération – une rupture avec l’architecture néoclassique et historiciste qui a marqué les années 1890-1920, par ses volumes rigoureux, son dépouillement de toute ornementation, et le recours au béton brut.
Un projet global de modernisation de la BN et d’extension de ses capacités de stockage, comprenant un processus complexe d’agrandissement souterrain des surfaces de magasin, de rénovation et de transformation du bâtiment, a été initié en 1994 pour le premier magasin souterrain et se terminera en 2008 pour le deuxième. Une troisième extension est prévue à l’horizon 2020, mais n’a pas encore fait l’objet d’une planification.
Cette démarche entreprise sur un bâtiment qui a marqué l’identité de la BN a permis à celle-ci de rester dans ses locaux, à proximité immédiate du centre-ville et de la plupart des institutions apparentées, tout en offrant à ses collaborateurs et aux utilisateurs un outil de travail adapté aux conditions modernes d’exploitation d’une bibliothèque – ou plus exactement d’un centre d’information et de prestations.
Sester Laurent, La bibliothèque nationale suisse, un siècle de métamorphoses architecturales, ETH DARCH IDB 2008
Der Spycher: Literaturpreis Leuk wird seit dem Jahr 2001 vergeben. Das Konzept des Preises ist einzigartig: Er gewährt seinen Preisträgern auf fünf Jahre ein Aufenthaltsrecht von jährlich zwei Monaten in dem mittelalterlichen Schweizer Städtchen Leuk im Oberwallis.
Der Preis ist eine Initiative der Stiftung Schloss Leuk, die in der traditionsreichen Oberwalliser Gemeinde im Rahmen der Restaurierung des ehemaligen Bischofsschlosses ein umfangreiches kulturelles und soziales Programm ins Leben gerufen hat. Die Stiftung stellt den Preisträgern für ihre Aufenthalte Wohnungen an verschiedenen Orten zur Verfügung – in einsam gelegenen Chalets ebenso wie in restaurierten Renaissancehäusern –, übernimmt die Reisekosten und zahlt ein monatliches Stipendium.
Der Spycher: Literaturpreis Leuk schafft nicht nur einen Rückzugsraum für Schriftsteller in einer atemberaubenden Landschaft. Er wagt auch in der Landschaft der Literaturpreise etwas gänzlich Neues: Er verpflichtet Schriftsteller und einen Ort für eine lange Zeit aufeinander.
http://www.spycher-literaturpreis.ch
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"Zwischen Heidberg und Eicher" erschienen 2008 im Buchverlag
ISBN 35678-333-9987
Hier erhältlich
Das Jugendheim Viktoria-Stiftung Richigen kann im Jahr 2009 auf eine bewegte 150-jährige Geschichte zurückblicken, im Laufe derer sich das einstige Mädchenheim markant verändert hat. Es ist zu einem nach modernen pädagogisch-erzieherischen Grundsätzen geführten Jugendheim für männliche wie weibliche Jugendliche geworden, das einen geschlossenem, einen halboffenem und einen offenem Bereich sowie einem Angebot für die externe Betreuung hat. Das Kerngeschäft der Stiftung, die Heimerziehung beziehungsweise die Betreuung der jugendlichen Klientel, befindet sich in einem Bereich, in dem auch in Politik und Gesellschaft kontrovers diskutierte Vorstellungen von Familie und Familienpolitik, von Jugend und Jugendpolitik aufeinander treffen. Immer wieder werden in diesem Zusammenhang soziale Probleme und ihre Ursachen wie auch die häufig damit verbundenen Phänomene der Jugendkriminalität und Jugendgewalt sowie Massnahmen zu deren Bewältigung debattiert.
Die Gründungs- und Pionierzeit
Die Viktoria-Stiftung Richigen, von der das Jugendheim getragen wird, verdankt ihre Existenz dem Kaufmann und späteren Bankier Jakob Rudolf Schnell. Der aus Burgdorf stammende Schnell, der in Paris zu Reichtum gekommen war, vermachte in seinem Testament von 1859 einen Teil seines Vermögens dem Kanton Bern mit der Auflage, dass der jährliche Zinsertrag für den Unterhalt einer oder mehrerer Erziehungsanstalten für mindestens hundert arme Mädchen aus allen Teilen des Kantons eingesetzt und die Stiftung nach seiner verstorbenen Frau Viktoria benannt werden solle. Die Viktoria-Anstalt reihte sich ein in die zahlreichen Institutionen, die von privater oder staatlicher Seite im 19. Jahrhundert gegründet wurden, um die grosse, als Folge des Zusammenbruchs der alten Ordnung entstandene Armut zu bekämpfen. Von 1859 bis 1864 war die Viktoria-Anstalt provisorisch im Maygut in Kleinwabern untergebracht, danach zog sie in die neu errichteten Gebäude auf dem Neuhausgut ebenfalls in Kleinwabern um. Die ihrer rechtlichen Form nach unselbstständige Stiftung stand unter der Oberaufsicht des Regierungsrats. Er wählte die Mitglieder des „Direktion“ genannten Aufsichts- und Leitungsorgans. Die Führung der Anstalt oblag dem Hausvater. Das Vermögen wurde von der Hypothekarkasse des Kantons verwaltet. Allmählich wuchs die Zahl der Zöglinge an, jeweils zehn bis zwölf Kinder bildeten anfänglich einen Familienkreis unter der Leitung einer Erzieherin, welche die Rolle einer Mutter übernahm. Die Mädchen stammten von armen, „sittenlosen“ Eltern oder waren Voll- oder Halbwaisen. Die katholischen Zöglinge wurden bis 1877 nicht in Wabern, sondern im Orphelinat Saignelégier untergebracht. Der Anstaltsalltag war geprägt von Arbeit, die Mädchen, Erzieherinnen und der Hausvater bewirtschafteten ein zeitweise gegen 70 Jucharten grosses Gut mit Hilfe einiger Knechte. Daneben besuchten die Mädchen die anstaltsinterne Schule, arbeiteten im Haushalt und führten Textilarbeiten auf Bestellung aus. Das von bürgerlichen Idealen geprägte Erziehungsziel war, aus den Mädchen „nützliche Glieder der menschlichen Gesellschaft“ zu machen. Sie sollten nicht in Armut und Unsittlichkeit fallen, sondern ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten und später gute Hausmütter und Gattinnen werden. Ein grosser Teil der nach der Konfirmation aus der Anstalt entlassenen Zöglinge trat eine Stelle als Dienstmädchen an. Einige besonders begabte Mädchen wurden aber auch zu Lehrerinnen ausgebildet. Erziehungsmethode und –ziel der Viktoria-Anstalt änderten sich bis ins 20. Jahrhundert hinein kaum.
Von der Zwischenkriegs- in die Nachkriegszeit
Im 20. Jahrhundert war der Landwirtschaftsbetrieb lange Zeit mitbestimmend für den Alltag in der Viktoria. Auf dem Neuhausgut in Wabern verfügte die Anstalt über eine grosse landwirtschaftliche Nutzfläche, die es ihr weitgehend erlaubte, die Selbstversorgung sicherzustellen. Dazu war auch der aktive und für ein Mädchenheim unübliche Einsatz der Zöglinge in der Feldarbeit notwendig. Die Viktoria mass dieser Tätigkeit einen hohen erzieherischen Wert bei. In ökonomischer Hinsicht wandelten sich die schlechten Ertragsquoten der Zwanzigerjahre unter neuer, fachkundigerer Führung in profitable Betriebsergebnisse. Da sich die Viktoria mit dem, was ihr Land hergab, selber versorgen konnte, blieb sie von der Nahrungsmittelteuerung während des Zweiten Weltkriegs verschont. Durch die aktive Teilnahme am “Plan Wahlen” und entsprechendem Mehraufwand konnten Ertrag und Rentabilität weiter erhöht werden.
In erzieherischer Hinsicht orientierte sich die Viktoria in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts an den pädagogischen Grundsätzen von Johann Friedrich Herbart und Tuiskon Ziller. Die Zöglinge waren in “Familiengruppen” von 12 bis 15 Mädchen unterteilt, was damals als modern galt. Die einzelnen Gruppen wurden von Erzieherinnen geleitet, die gleichzeitig den Schulunterricht erteilten. Später wurden die beiden Funktionen getrennt. Der Heimalltag war von klaren Regeln und strenger Disziplin geprägt. Wegen der autoritären Systeme und gängigen Körperstrafen gerieten die Erziehungsanstalten in die öffentliche Kritik, von der auch die Viktoria nicht verschont blieb. Mitte der Fünfzigerjahre hielt mit dem Heimelternpaar Köhli ein modernerer Erziehungsstil Einzug. Die neue Leitung hatte noch gut 40 Zöglinge zu betreuen; zu Beginn des Jahrhunderts waren es fast dreimal mehr gewesen.
Äusserlich befand sich das Viktoriaheim in Wabern in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg in desolatem Zustand. Die Gebäude waren renovationsbedürftig, viele Installationen defekt und das Mobiliar meist alt und verbraucht. Zwar wurde in der Folge vieles repariert, erneuert und ersetzt, doch Mitte der Fünfzigerjahre wurde die Notwendigkeit einer grossen Gesamtrenovation erneut manifest. Aufgrund einer guten Gelegenheit baute man das alte Heim jedoch nicht um, sondern kaufte ein passendes und kleineres Anwesen in Richigen. Der Umzug führte nicht nur zu einem Wechsel der Lokalitäten, sondern auch zu einer Neugestaltung des Heimalltags.
Die vergangenen fünfzig Jahre
In der Zeit seit dem Bezug der Gebäulichkeiten in Richigen zu Beginn der Sechzigerjahre wandelte sich das Viktoria-Heim vom Mädchenheim in das heutige moderne Jugendheim für männliche wie weibliche Jugendliche mit je einem geschlossenen, halboffenen und offenen Bereich sowie differenzierten pädagogisch-erzieherischen Ansätzen. In diesen Jahren durchlief das Heim mehr und gewichtigere Veränderungen als in den 100 Jahren zuvor. Das Viktoria-Heim geriet mehrmals in den Strudel gesellschaftspolitischer Auseinandersetzungen. Verschiedene Kräfte wirkten von aussen auf das Heim ein; diese äusserten sich als wandelnde Anforderungen an das Heim seitens der „Gesellschaft“, der einweisenden Stellen und der Klienten, als teils harte gesellschaftspolitisch und ideologisch motivierte Auseinandersetzungen über Heimwesen und Fremderziehung sowie als wirtschaftliche Zwänge, welche das Heim zur Suche nach „Marktnischen“ nötigten. Ein wichtiger Antrieb für Veränderungen im Heimwesen war die Heimkritik, die sich in den Sechziger- und Siebzigerjahren akzentuierte und die Glaubwürdigkeit stationärer Einrichtungen, also der Heime, in der Öffentlichkeit erschütterte. Sie stiess aber auch eine Entwicklung an, welche die Heime weg von einer eher autoritären Erziehung und „Verwaltung“ der ihnen anvertrauten Kindern hin zu neuen pädagogisch-erzieherischen Konzepten bzw. einer intensiveren und individueller ausgerichteten Betreuung führte. Dies traf auch auf das Viktoria-Heim zu, ab Mitte der Siebzigerjahre wurden die Gruppen kleiner und die Betreuung intensiver. Trotz aller Neuerungen blieben in der Öffentlichkeit, aber auch bei einweisenden Behörden, Vorbehalte gegenüber stationären Einrichtungen bestehen, man zog ambulante Programme der Heimerziehung vor. Dies bekam auch das Viktoria-Heim zu spüren, es litt in den Siebzigerjahren unter chronischer Unterbelegung; in den Achtzigerjahren mussten die Betriebskosten deswegen auch mit dem Stiftungsvermögen gedeckt werden, was das Heim an den Rand des Ruins brachte. Diese Jahre waren geprägt von grosser Unsicherheit über die Zukunft des Heimes, der intensiven und schliesslich erfolgreichen Suche nach einer Überlebensstrategie und der erfolgreichen Umsetzung dieser Strategie mit der Einrichtung eines geschlossenen Bereiches Ende der Achtzigerjahre und der Öffnung des Heimes für männliche Jugendliche. Die Neukonzeption veränderte den Charakter des Heimes grundlegend und prägt ihn noch heute.
Brodbeck, Thomas / Chocomeli, Lucas / Schüpbach, Andrea: Der Jugend verpflichtet. 150 Jahre Jugendheim Viktoria-Stiftung Richigen, Ostermundigen 2009.